SUSE Linux Enterprise Desktop unterstützt die parallele Installation von mehreren Kernel-Versionen. Beim Installieren eines zweiten Kernels werden automatisch ein Boot-Eintrag und ein initrd erstellt; es sind also keine weiteren manuellen Konfigurationsschritte erforderlich. Beim Neustarten des Rechners wird der hinzugefügte Kernel als zusätzliche Boot-Option angeboten.
Mithilfe dieser Funktion können Sie Kernel-Aktualisierungen zunächst auf sichere Weise testen, wobei Sie jederzeit ein Fallback auf den bisherigen (einwandfrei funktionsfähigen) Kernel vornehmen können. Verwenden Sie hierzu nicht die Aktualisierungswerkzeuge (wie YaST-Online-Update oder das Aktualisierungsmodul), sondern befolgen Sie die Anweisungen in diesem Kapitel.
Es ist zu beachten, dass Ihre gesamte Supportberechtigung für den Rechner erlischt, sobald Sie einen selbst kompilierten Kernel oder einen Kernel von Drittanbietern installieren. Es werden nur solche Kernels unterstützt, die zum Lieferumfang von SUSE Linux Enterprise Desktop gehören oder über die offiziellen Aktualisierungskanäle für SUSE Linux Enterprise Desktop bezogen werden.
Nach dem Installieren eines weiteren Kernels wird empfohlen, die Bootloader-Konfiguration zu prüfen und den gewünschten Standard-Booteintrag festzulegen. Weitere Informationen finden Sie in Abschnitt „Konfigurieren des Bootloaders mit YaST“, Kapitel 13, Der Bootloader GRUB 2, Administrationshandbuch.
Die Unterstützung für die Installation mehrerer Versionen eines Softwarepakets (Multiversions-Unterstützung) ist in SUSE Linux Enterprise 12 standardmäßig aktiviert. Diese Einstellung können Sie wie folgt überprüfen:
Öffnen Sie /etc/zypp/zypp.conf als root in einem Editor.
Suchen Sie die Zeichenkette multiversion. Wenn „multiversion“ für alle Kernel-Pakete aktiviert ist, die diese Funktion unterstützen, wird folgende Zeile ohne Kommentare angezeigt:
multiversion = provides:multiversion(kernel)
Soll die Multiversions-Unterstützung auf bestimmte Kernel-Varianten beschränkt werden, fügen Sie die Paketnamen in einer durch Komma getrennten Liste an die Option multiversion in /etc/zypp/zypp.conf an, beispielsweise
multiversion = kernel-default,kernel-default-base,kernel-source
Speichern Sie die Änderungen.
Stellen Sie sicher, dass die erforderlichen, vom Hersteller bereitgestellten Kernel-Module (Kernel-Modul-Pakete) auch für den neuen, aktualisierten Kernel installiert werden. Während der Aktualisierung des Kernels erhalten Sie keine Warnung zu fehlenden Kernel-Modulen, da die Paketanforderungen noch vom alten, auf dem System beibehaltenen Kernel erfüllt werden.
Wenn Sie häufig neue Kernel mit aktivierter Multiversions-Unterstützung testen, wird das Bootmenü rasch unübersichtlich. Für eine /boot-Partition gilt in der Regel eine Längenbeschränkung, sodass zu lange Angaben für /boot zu Problemen führen können. Sie können die nicht verwendeten Kernel-Versionen durchaus manuell mit YaST oder Zypper entfernen (Anweisungen siehe unten) oder auch alternativ libzypp so konfigurieren, dass alle nicht mehr genutzten Kernel automatisch gelöscht werden. Standardmäßig werden keine Kernel gelöscht.
Öffnen Sie /etc/zypp/zypp.conf als root in einem Editor.
Suchen Sie die Zeichenkette multiversion.kernels, und aktivieren Sie die Option, indem Sie die Auskommentierung der Zeile aufheben. Diese Option erfordert eine durch Komma getrennte Liste der folgenden Werte:
3.12.24-7.1:
Kernel mit angegebener Versionsnummer beibehalten
neusten:
Kernel mit höchster Versionsnummer beibehalten
latest-N:
Kernel mit n-höchster Versionsnummer beibehalten
ist und ausgeführt wird:
Derzeit ausgeführten Kernel beibehalten
weitesten:
Kernel mit niedrigster Versionsnummer beibehalten (also den Kernel, der aus dem ursprünglichen Lieferumfang von SUSE Linux Enterprise Desktop stammt)
oldest+N.
Kernel mit n-niedrigster Versionsnummer beibehalten
Hier einige Beispiele
multiversion.kernels = latest,running
Behält den jüngsten Kernel und den derzeit ausgeführten Kernel bei. Dies entspricht nahezu dem Nichtaktivieren der Multiversionsfunktion, mit der Ausnahme, dass der alte Kernel nicht direkt nach der Installation entfernt wird, sondern erst nach dem nächsten Neubooten.
multiversion.kernels = latest,latest-1,running
Behält die beiden jüngsten Kernel und den derzeit ausgeführten Kernel bei.
multiversion.kernels = latest,running,3.12.25.rc7-test
Behält den jüngsten Kernel, den derzeit ausgeführten Kernel sowie den Kernel 3.12.25.rc7-test bei.
ausgeführten Kernel beibehalten
Außer in besonderen Einrichtungsszenarien sollte der derzeit ausgeführte Kernel in aller Regel beibehalten werden. Wenn Sie diesen nicht beibehalten, wird er bei einem Kernel-Update gelöscht. Dies wiederum macht nach dem Update einen sofortigen Neustart des Systems erforderlich, da die vom derzeit ausgeführten Kernel verwendeten und nunmehr gelöschten Module nicht mehr geladen werden können.
Starten Sie YaST, und öffnen Sie den Software-Manager mit › .
Wählen Sie › › . Eine Liste aller Pakete, die mehrere Versionen bieten, wird angezeigt.
Wählen Sie ein Paket aus, und öffnen Sie den Karteireiter im unteren linken Bereich.
Zum Installieren eines Pakets aktivieren Sie das zugehörige Kontrollkästchen. Ein grünes Häkchen zeigt, dass das betreffende Paket zur Installation ausgewählt wurde.
Soll ein bereits installiertes Paket (mit einem weißen Häkchen markiert) entfernt werden, klicken Sie auf das zugehörige Kontrollkästchen, bis ein rotes X sichtbar ist. Dies bedeutet, dass das Paket zum Entfernen ausgewählt wurde.
Klicken Sie auf , um mit der Installation zu beginnen.
Rufen Sie mit dem Kommando zypper se -s 'kernel*' eine Liste aller verfügbaren Kernel-Pakete ab:
S | Name | Type | Version | Arch | Repository --+----------------+------------+-----------------+--------+------------------- v | kernel-default | package | 2.6.32.10-0.4.1 | x86_64 | Alternative Kernel i | kernel-default | package | 2.6.32.9-0.5.1 | x86_64 | (System Packages) | kernel-default | srcpackage | 2.6.32.10-0.4.1 | noarch | Alternative Kernel i | kernel-default | package | 2.6.32.9-0.5.1 | x86_64 | (System Packages) ...
Geben Sie beim Installieren die genaue Version an:
zypper in kernel-default-2.6.32.10-0.4.1
Zum Deinstallieren eines Kernels rufen Sie mit dem Kommando zypper se -si 'kernel*' eine Liste aller installierter Kernel ab, und entfernen Sie das gewünschte Paket mit dem Kommando zypper rm PAKETNAME-VERSION.